
Das Wort “bipolar” beschreibt Extreme wie „Nord und Süd“ oder „Plus und Minus“. Bei einer bipolaren Störung sind dies die extremen Emotionen „Euphorie und Depression“.
Diese ausgeprägten Stimmungen treten episodisch auf und belasten Betroffene stark. Denn die Euphorie kann in abnormer Fröhlichkeit gipfeln und die Depression in Verzweiflung oder Selbstmord enden.
Typischerweise tritt eine bipolare Störung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf und dauert meist bis ans Lebensende.
Etwa 0,3 bis 1,9 % der Menschen weltweit leiden an bipolaren Störungen. Eine Manie, also eine euphorische Episode, erkennt man bei Betroffenen an folgenden Symptomen:
Ebenso führt eine Depression zu typischen Symptomen, wie z.B.:
Über die genauen Ursachen der bipolaren Störung ist nur wenig bekannt.
Man weiß lediglich, dass viele Faktoren zusammenwirken und unter diesen
die genetische Veranlagung ein entscheidender ist. Die Voraussetzung einer bipolaren Störung kann also vererbt werden.
Außergewöhnliche Ereignisse, wie der Tod eines nahe stehenden Menschen oder ein schwerer Unfall, können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
Man beschreibt solche Vorkommnisse als Trauma bzw. traumatisierend.
Eine bipolare Störung wird auf Grundlage der klinischen Symptome,
des Krankheitsverlaufs und z. B. der genetischen Veranlagung durch einen Facharzt diagnostiziert.
Meist gestaltet sich die Diagnose schwierig, da manche Symptome
auch für weitere psychische Störungen charakteristisch sind.
Ebenso können die Symptome durch andere Krankheiten, z. B. Morbus Parkinson,
oder durch Drogenkonsum ausgelöst worden sein.
Aus diesen Gründen wird nur ein geringer Teil aller bipolaren Störungen diagnostiziert und daraufhin therapiert.
Medikamente stehen in der Regel im Mittelpunkt der Behandlung durch einen Facharzt, aber auch andere Behandlungsverfahren haben ihren Platz,
damit Sie aus Ihrer Krisensituation hinaus finden.
Die Therapie der bipolaren Störung wird in drei Phasen unterteilt.
1. Die Akuttherapie: Dauer 2 – 6 Wochen
2. Die Erhaltungstherapie: Dauer 6 – 12 Monate
3. Rückfallschutz: Dauer meist ein Leben lang
Häufig wird die medikamentöse Therapie durch eine Psychotherapie und/oder Psychoedukation ergänzt. Mit Hilfe der Psychotherapie können Betroffene leichter in ihren gewohnten Alltag zurückkehren und souveräner mit auslösenden Situationen umzugehen.
Die Psychoedukation setzt auf die Aufklärung der Betroffenen. Denn nur wer über die eigene Erkrankung Bescheid weiß, kann mögliche Auslösesituationen und Warnzeichen frühzeitig erkennen und folgerichtig handeln. Sinnvollerweise schließt die Psychoedukation auch Freunde und Verwandte ein – denn auch diese werden ja mit der bipolaren Störung konfrontiert.
Es gibt verschiedene Varianten der Psychotherapie und Psychoedukation, aus denen der behandelnde Arzt die individuell passende auswählen kann.